Nachbarschaftliche Geschichten - Ferne Nachbarn


Die Mongolei ist für ihre endlose Steppen bekannt. Sie ziehen sich bis zum Horizont und verschwinden hinter ihm ohne ihre Weite zu unterbrechen.

Einfach weiter und immer weiter....

Auf dieser offenen Landschaft sieht man jede Jurte, jedes Pferd und jeden Menschen.

Das schätzen Mongolen, die ihre Nachbarn nicht an der nächsten Tür, sondern in  mehreren Kilometern Entfernung haben. Auf dem Land ist diese ferne Nachbarschaft selbstverständlich und stört niemanden. Umgekehrt ist die Begegnung mit den "fernen Nachbarnn" eine Art der Festlichkeit mit großzügigem Essen und einem langen Gespräch.

Nachbarn sind immer herzlich willkommen.

"Herzlich willkommen" in der mongolischen Sprache bedeutet  mehr als eine Begrüßung. "Ich sehe schon vor meinen Augen einen reitenden Gast.

Er wird geruhsam, angenehm, bequem, ehrerbietig sich geben" So drückt sich diese Begrüßung aus, mit viel gegenseitige Eherbietung und Wertschätzung.

Zum Besuch müssen Nachbarn keinen Termin vereinbaren, sie steigen auf ihre Pferde und reiten zu der nächsten nachbarschaftlichen Jurte.

Man sieht sie reitend und stellt vor der Jurte Wasser für Mensch und Tier im Sommer und legt  Holz ins Feuer im Winter.

Wenn Gäste zu müde sind, um am gleichen Abend nach Hause zu gehen, können sie jeder Zeit  bei Nachbarn übernachten.

Man findet immer Plätze zum Schlafen und  warme Bettdecken für alle.

Und dann wird es noch gemütlicher, vertrauter und einfach nachbarschaftlicher...


 
Lkhagvasuren Wollny / Die Mongolei