Parken im Glück - Ein Text von Krishna-Sarah Helmle


Parken im Glück

von Krishna-Sara Helmle

Seifenblase geplatzt

Diesen Sommer kam mal wieder ein Journalist ins Französische Viertel. Er erweckte den Eindruck, dass er es besser machen wolle als der Schreiberling vom Spiegel, der uns den Namen „Grüne Hölle“ verpasst hatte. Herr Tipperich (Name geändert) nahm sich Zeit, sprach mit vielen verschiedenen Leuten, sogar mit dem Oberbürgermeister, der ja früher auch hier gewohnt hat. Er hörte sich die verschiedenen Geschichten an, die die Glücksparker-Gruppe ihm erzählte, machte sich eifrig Notizen und erzählte von seinen Kindern. Durch die Vielfalt der Personen und Geschichten hätte er also einen wunderbaren Artikel schreiben können von einem Viertel, in dem Autos einen Platz haben ohne zwangsweise das Straßenbild zu dominieren. Von einem Viertel mit einem modernen Konzept: Wohnen und Arbeiten sollen prinzipiell im gleichen Haus möglich sein, die Versorgung mit den Dingen des täglichen Bedarfs soll wohnortnah möglich sein. Dieses Konzept hat einen deutschen und einen europäischen Architekturpreis gewonnen, es ist Vorbild für neu entstehende Viertel weltweit.

Als der Artikel Anfang September erscheint, ist die Enttäuschung groß. Journalist Tipperich malt das Bild eines Viertels, in dem Autos verpönt und böse seien, in dem es keine Spielplätze und nur 140 m² große Wohnungen gebe, in denen dann „sehr gut verdienende Akademiker und Beamte“ wohnen. Schade! Da kam wieder einer mit einer einzigen Richtung, in die es gehen sollte. Da war wohl kein Platz für ausgewogene Berichterstattung.

Statt in der „grünen Hölle“ wohnen wir jetzt in einer Utopie, in einer Seifenblase.

Neue Seifenblasen braucht das Viertel

Tja, was macht man da? Schreibt man einen bösen Leserbrief? Oder hält man es mit Karl Valentins Spruch „Nicht einmal ignorieren“? Es scheint im Viertel beliebt zu sein, dass man sich kurz aufregt über so viel Ignoranz und dann dem Ganzen mit Humor und Kreativität die lange Nase zeigt. So gab es nur wenige Tage nach Erscheinen des Artikels in der Roten Rübe Seifenblasen zu kaufen. Das Werkstadthaus versah eine Veranstaltungsankündigung mit dem Zusatz „Achtung Utopie!“. Da wollen wir vom Vokabular des Miteinanders natürlich auch mitmachen.

In welcher Seifenblase leben Sie? Welche Geschichten fallen Ihnen im Zusammenhang mit dem Französischen Viertel ein? Was fällt Ihnen zum Thema Seifenblase ein? Schicken Sie Ihre Gedanken dazu in Wort und/oder Bild an Krishna-Sara Helmle (leicht-verstehen.de). Am 18. November 2017 von 14-17:00 bietet das Vokabular des Miteinanders im Werkstadthaus einen Schreibworkshop zum Thema „Geschichten aus der Seifenblase“ an.

Im Dezember bringen wir diese Geschichten an einem gemütlichen Leseabend mit Punsch und Glühwein im Buchcafé Raban zu Gehör. Genaueres dazu geben wir rechtzeitig bekannt.

Sitzen gelassen oder gelassen sitzen? Mitgenommen werden oder mitgenommen aussehen?

Eine der ersten Ideen aus der Gruppe der Glücksparker war eine Mitfahrbank. Diese Idee nimmt nun zusehends Gestalt an. Anfang Oktober hatten wir einen Vororttermin mit einem Mitarbeiter der Stadt. Wir haben das Viertel nach möglichen Standorten für so eine Bank erkundet und haben zwei Plätze gefunden, die sich eignen würden. Eine Bank könnte neben der Bushaltestelle in der Aixer Straße in Richtung Stadt stehen. Dort setzt man sich beispielsweise hin um in Richtung Sand oder Rottenburg mitgenommen zu werden. Die andere Bank könnte in der Nähe des Werkstadthauses stehen. Von dort aus kommt man in Richtung Härten, Reutlingen, Stuttgart oder Hammerfest. Der städtische Mitarbeiter war sehr kooperativ und offen für unsere Idee. Er schaut im Depot nach, ob dort noch ungenutzte Bänke lagern. Ist das der Fall, können wir diese bekommen und aufstellen. Dann brauchen wir nur noch einen Pfosten mit einem pfiffigen Design für die unterschiedlichen Fahrtrichtungen. Es muss wetterfest und möglichst vandalismusresistent sein. Wir brauchen auch noch Vorschläge dafür, wie mehrere Mitfahrer verschiedene Fahrtziele angeben können. Ideen nimmt die Redaktion gern entgegen.

Ey Mann, wo parkt dein Auto?

Derzeit können Sie Ihr Auto nach Gebrauch noch nicht platzsparend zusammenlegen oder es de materialisieren bis man es wieder braucht. Also braucht es einen Parkplatz. Im Französischen Viertel können Sie aber Ihr Fahrzeug nicht einfach direkt vor dem Haus abstellen. Das empfinden manche als Vorteil und manche als Nachteil. Weitere Wege zurückzulegen zum Auto ist also an der Tagesordnung. Aber seien wir ehrlich – das ist es in Großstädten auch. Versuchen Sie mal, in Stuttgart-West einen legalen Parkplatz direkt vor dem Haus zu bekommen.

Wir vom Vokabular des Miteinanders wollen’s wissen: Wie und wo parken Sie? Gibt es überhaupt genügend legale Parkplätze im Französischen Viertel, Wagenburgen, Wennfelder Garten oder Drei-Höfe-Quartier? Dazu haben wir eine kleine Umfrage erstellt, die diesem Heft beiliegt. Wir freuen uns, wenn Sie die Fragen beantworten und werden in der nächsten Ausgabe über die Ergebnisse berichten. Erzählen Sie auch gern Ihren Nachbarn, Freunden, Bekannten und Kollegen in den vier Vierteln von dieser Umfrage. Mehr Fragebögen bekommen Sie gern per Mail von der Redaktion.

Die ausgefüllten Fragebögen werfen Sie bitte bis zum 30.11.2017 in den Briefkasten vom Werkstadthaus oder geben Sie diese direkt im Buchcafé Raban oder der NaSe ab.